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Panel 2: Neue Geschäftsmodelle mit dem Hörer|Musik auf allen Kanälen
Donnerstag, 5. Juni 2003, 10.00 – 11.30 Uhr
Zu Beginn des zweiten Tages diskutierte der forward2business-Zukunftskongress über Ideen und Visionen des Online-Vertriebes von Musik.
Zunächst analysierte Christopher Gersten, General Manager der Universal Marketing Group die Ursachen der derzeitigen Krise. Als „vier Probleme“ des Business beschrieb er das „selbst verursachte A&R-Problem“, eine „verschrobene Handelsstruktur“, ein „Brennerproblem“ und das „Piraterieproblem“.
Als Lösungsansatz warb er für Partnerschaften mit Unternehmen anderer Branchen die ein Kerninteresse daran haben, dass deren Geschäftsmodelle mit musikaffinem Content funktionierten. Durch solche Partnerschaften ergäben sich zwangsläufig auch jene neuen Geschäftsmodelle „nach der gemeinsamen Downloadplattform“, nach denen im Titel seines Inputstatements gefragt wurde.Der Erfinder der MP3-Technologie, Prof. Dr. Karlheinz Brandenburg vom Fraunhofer Institut an der TU Ilmenau forderte erneut proaktive Geschäftsmodelle für das Musikbusiness der Zukunft. Anders sei den illegalen Downloadplattformen nicht zu begegnen. „Man muss viel ausprobieren, aber wenn wir das ausprobieren sein lassen, dann bleibt's bei Napster und Co.“ Als hochwertigen Standard der Zukunft kündigte er „MP3 Pro AAC Plus“ an.
Mit Interesse wurde das erstmals der Fachöffentlichkeit präsentierte Modell eines „interactive audience relationship management“ aufgenommen. Hubert Gertis, AX6, präsentierte das Modell vorab, das seine Premiere auf der Popkomm. 2003 feiern soll. Mit der Software Lösung soll kleinen und mittleren Band bzw. Labels auf einfache und kostengünstige Weise die Möglichkeit gegeben werden, in direkten Kontakt mit ihren Fans zu treten. Die Finanzierung ist über Premium-SMS geplant.
Auf breite Skepsis unter den versammelten Musikexperten stieß dagegen die zweite Softwarevorstellung des Tages von Stephan Schuster, University of Surrey. Er stell-te in einer Weltpremiere erstmals den Prototyp einer in Entwicklung befindlichen Software vor. Mit „SimWeb“ soll der komplette Onlinevertrieb von Musik virtuell nachgebildet und simuliert werden. Nach Fertigstellung sollen die Manager der Musikbranche anhand dieser Software die Konsequenzen ihrer Entscheidungen vor-ausberechnen können.
Die breite Kritik an diesem mit Millionenbeträgen durch die EU geförderten Projek-tes zeigte sich in der anschließenden Diskussion. Da die Software lediglich bereits gemachte Erfahrungen nachvollziehe, hinke sie den Bedürfnissen der Industrie immer hinterher und sei nutzlos, argumentierte beispielsweise Peter James, VUT. Wörtlich sagte er: „Insofern ist mein Gefühl, die Nachfrage danach könnte sich im "Games-Markt bewegen.“
Auch Christopher Gersten bezweifelte den Nutzen einer derart wissenschaftlichen Betrachtung seiner Branche. Er setze dagegen auf das Ausprobieren. Letzten Endes gehe es darum, „pragmatisch die Sachen auf die Straße zu bringen und nicht wis-senschaftlich zu analysieren.“




