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Panel 4: Potenziale des alten Mediums -|Das Radio als Businessfaktor in der Entertainmentindustrie?

Das Radio ist nach wie vor ein höchst attraktiver Medienmarkt. Zu diesem Schluss kam ein hochkarätig besetztes Expertenforum beim forward2business Zukunftskongress in Halle. Doch auf eben diesem attraktiven Medienmarkt sind die Bedingungen sehr hart:
„Wir leben in der Konsumentendemokratie, wo der Hörer uns ganz schnell wegschaltet“, so Michael Schiewack, Programmchef der Radiowellen MDR JUMP und Sputnik. Außerdem habe sei die Musikkompetenz in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt zum Fernsehen gewandert. „Wir machen keine Trends mehr.“

Um das zu ändern stellte Schiewack den Diskussionsteilnehmern eine neue Plattform zur Talentförderung vor, die JUMP-Arena. Der Anspruch dabei: „Wir wollen die späteren Stars aufbauen.“ Diese sollten bei Live-Auftritten vor einem größeren Publikum zunächst Cover-Versionen bekannter Songs aufführen um die Hörer zu binden. Später könnten dann auch Eigenproduktionen dazu kommen. Die Plattenindustrie lud Schiewack ein, die von seinem Sender gebotene Plattform auch zu nutzen.

Auf eine Plattform im Radio, wenn auch eine etwas andere, hofft auch das Musikhandelsunternehmen WOM. Jens-Peter Labus vom WOM Media Network sagte, seine Firma sei bisher in „360 Grad Medien“ präsent: „Nur eins fehlt: Das Radio.“ Dabei sei UKW-Radio ein hoch attraktiver Markt: „Das klassische Radio ist nach wie vor das am intensivsten genutzte Medium“, so Labus.

Deswegen warb der WOM-Manager bei Radiosendern um Kooperationen bei der Etablierung eines eigenen Formates für sein Unternehmen: „Wir interessieren uns für diese Themen, wir sind hier sehr offen für Gespräche.“ WOM habe in eine solche Partnerschaft seine Position als erfolgreichste deutsche Musikzeitschrift einzubringen. „Wir sind bereits eine Marke, die bekannt ist.“ Außerdem sei die musikalische Kompetenz der unabhängigen Redaktion des WOM Journals bei den Kunden etabliert. Davon könnten Partner profitieren.

Bei Reinhard Bärenz, Musikchef von MDR Jump und Sputnik, stieß Labus’ Vorschlag auf offene Ohren: „Das hört sich schon gut an.“ Gleichzeitig sah Bärenz aber auch mögliche Probleme: „Die Frage ist: Welche Marke nimmt denn welche mit? Wer zahlt auf welches Konto ein?“ Die Kooperation der Radiopartner mit WOM müsse „auf Augenhöhe“ erfolgen.

Ein neues Geschäftsmodell zum legalen Download von Musiktiteln stellte der Internet-Anbieter Tiscali vor. Nach Angaben von Tiscali-Manager Uwe Schnepf geht es dabei um eine Kooperation vor allem mit privaten Radiostationen. Dabei sollen Hörer, den Song der gerade im Radio läuft, sofort im Internet kaufen können.

„In zirka vier Wochen werden wir damit prototypisch an den Start gehen“, sagte Schnepf. Als ersten Partner nannte der Tiscali-Manager den Sender „Energy“. Das Angebot sei aber für alle interessierten Radiostationen offen. Für die Radiosender würde das Angebot wenig Aufwand bringen: „Wir denken, das ist für die beteiligten Radiosender ein interessanter, leicht zu handhabender Ansatz.“ Gleichzeitig dämpfte Schnepf die Hoffnungen auf große Gewinne durch den Download-Service: „Die zu erwartenden Erträge sind gering.“

Bei der Technologie will Tiscali nicht auf das beliebte MP3 setzen sondern auf das WMA-Format von Microsoft. Das habe mit dem Kopierschutz zu tun, so der Tiscali-Manager. Nur durch ein effektives Digital Rights Management (DRM) seien Plattenfirmen dazu zu bringen, ihre Musik in der Downloadplattform bereit zu stellen. Deswegen sei das von Tiscali geplante Rechte-Management auch sehr rigide: „Die Lizenz, die sie erwerben ist nur gültig auf dem PC, auf dem sie das tun.“

 

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