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Der nächste große Trend: Hirndoping für alle

Herr Jánszky, beim kommenden forward2business-ThinkTank am 18./19. Juni debattieren Sie mit 200 Innovationschefs aus der Wirtschaft die Zukunftstrends der nächsten 10 Jahre. Als kommenden großen Trend haben Sie Bodytuning prognostiziert. Was bedeutet das genau?

Langjährige forward2business-Gäste und Kunden werden sich vielleicht an das Jahr 2005 erinnern. Damals hatte ich einen Schönheitschirurgen in die Debatten um die Zukunftsmodelle der Marken-Medien-Technologie-Branche eingeladen. Was auf den ersten Blick verwirrend schien, entsprach schon damals dem klar erkennbaren Konsumententrend: Bei ihrem Streben nach Verschönerung der eigenen Gestalt sind Menschen mehr und mehr willens, direkt in ihren Körper einzugreifen. Hier entstehen große Chancen für neue Geschäftsmodelle in der Food-, Pharma-, Kosmetik- und Entertainmentindustrie. Aktuell hat sich dieser Trend verstärkt und eine neue Qualität erreicht. Seit neuste Studien belegen, dass die Hirnleistung nachweislich durch Medikamente gesteigert werden kann, ist unter Studenten die Einnahme von diesen „Neuropushern“ zur Mode geworden.

 

Um es richtig zu verstehen: Menschen schlucken Pillen und können dann besser denken?

Richtig! Dabei spielt der Botenstoff Dopamin die Hauptrolle. Hirnforscher haben festgestellt, dass Dopamin bei Denk- und Lernprozessen im Gehirn verstärkt ausgeschüttet wird. Mehr noch: Versuche an Schimpansen haben ergeben, dass das verstärkte Vorhandensein von Dopamin mit großer Genauigkeit erfolgreiche Lernleistungen voraussagen kann. Die Schlussfolgerung ist einfach: Man nehme Dopamin und die eigene Hirnleistung wird steigen!

 

Aber zwischen Versuchen an Schimpansen und Neuropushern für Menschen ist ja ein großer Unterschied. Wie viele unserer Mitmenschen sind denn schon gedopt?

In Deutschland fehlt noch eine seriöse Untersuchung dazu. Aber in den USA nutzen inzwischen laut aktuellen Studien 16 bis 25 Prozent aller Studenten vor wichtigen Prüfungen diese Medikamente. Dafür gibt es inzwischen sogar schon einen Fachbegriff: Neuro-Enhancement.

 

Und wie kamen die Studenten darauf. Es gibt doch noch ja keine Werbung in den Apotheken für Neuropusher. Oder?

Noch nicht, nein. Dass sich dieser Trend so plötzlich verstärkt hat, ist darauf zurückzuführen, dass unter amerikanischen Studenten bekannt geworden war, dass die Piloten der Kampfjets der US-AirForce die Medikamente benutzen, um die Informationsaufnahme ihres Gehirns signifikant zu beschleunigen. Diese aufregende Nachricht verbreitete sich über Social Networks wie Facebook und StudiVZ rasend schnell, auch nach Deutschland. Wir wurden dann aufmerksam als in den letzten Monaten der Verkauf des Parkinsonmedikaments „Sinemed“ und des Medikaments „Modafinil“ gegen die äußerst seltene Schlafkrankheit Narkolepsie in Onlineapotheken sprunghaft angestiegen ist.

 

Ist das nur ein kurzfristiger Hype oder wirklich ein Trend?

Es ist ein dauerhafter Trend. Denn die Neuropusher stehen nicht allein. Sie sind nur die logische Fortsetzung des seit hunderten Jahren bestehenden Trends, dass Menschen Ihren Körper verbessern wollen. Denken Sie an künstliche Kniegelenke, an Zahnprotesten, Haartoupets, an Brustvergrößerungen, an Augenlaser, Ohrringe, Tattoos, Piercings und vieles andere mehr. Oder denken Sie an Doping im Sport …

 

Ja aber jetzt scheinen Menschen ja erstmals in ihr Hirn also in ihr Bewusstsein einzugreifen. Das ist doch etwas anderes?

Ich glaube nicht, dass es so anders ist. Auch ihr Hirn und Bewusstsein manipulieren Menschen schon seit Ewigkeiten: Beim Schokolade essen, beim Kaffee trinken, beim Kiffen, mit Alkohol, LSD und Zigaretten.

Aber zurück zu Ihrer Frage: Ob der aktuelle Trend sich weiter verstärkt hängt wesentlich von der Reaktion der Industrie ab. Bei Pharmakonzernen beobachten wir derzeit große Ausgaben für die Forschung an Präparaten für Schlaganfall-Opfer und Demenzkranke. Das ist untypisch, denn die Zahl der Betroffenen an diesen Krankheiten ist relativ klein. Also liegt die Schlussfolgerung nahe, dass hier ein Markt vorbereitet wird für die große Gruppe der Gesunden, die zeitweise ihre Hirnleistung steigern wollen.

 

Aber Sie prognostizieren auch neue Geschäftsmodelle für andere Branchen, nicht nur die Pharmakonzerne. Wer soll daran denn noch verdienen?

Nicht nur die Pharmaindustrie ist aktiv. Auch im Foodbereich sind Produkte in Planung oder schon auf dem Markt, die auf die Verbesserung der Hirnleistung zielen. „Margarine die ihre Kinder intelligenter macht“ und „Joghurt der ihr Denkvermögen steigert“ sind mit Sicherheit nur die Anfänge. Und auch andere Branchen werden sich fragen, wie Menschen ihren Körper weiter verbessern können. Ein ganz wesentliches Körpermerkmal ist bislang überhaupt noch nicht beachtet: Die Stimme. Ich bin sicher, dass hier Produkte entwickelt werden, mit denen wir künftig schönere Stimmen bekommen.

 

Aber ist das nicht alles furchtbar? Irgendwann ist der Mensch doch nicht wiederzuerkennen?

Gegenfrage: Ist dies nicht der normale Lauf der Evolution? Verändert sich die Menschheit nicht permanent? Wenn Sie Ihre Vorfahren vor sagen wir 100 Jahren ansehen, dann sahen die anders aus, hatten andere Krankheiten, lebten anders und kürzer. Und sie strebten immer danach sich zu verbessern, gesünder und klüger zu werden, länger zu leben.

 

Gibt es ein Ende dieser Entwicklung?

Ich sehe keines. Derzeit deutet nichts darauf hin, dass dieser Trend schwächer wird. Im Gegenteil: Ich bin recht sicher, dass die Weiterentwicklung dieses dauerhaften Consumertrends das Verbessern der menschlichen Sinne durch implantierte Technik ist. Ich prognostiziere dass wir in nicht allzulanger Zeit über eine Modewelle reden, bei der sich Jugendliche Chips unter die Haut implantieren lassen.  Dabei entstehen neue Mensch-Maschine-Schnittstellen, die dann die Basis für die Produkte der Contentindustrie werden.

 

Und das finden Sie gut?

Das muss man nicht gut finden. Aber wir haben die Wahl den Trend zu ignorieren und irgendwann festzustellen, dass er sich auch ohne uns durchgesetzt hat, oder heute darüber zu reden und zu versuchen den Trend in die gewünschten Bahnen zu steuern, sowohl in ethischer Hinsicht als auch für Geschäftsmodelle der Zukunft.

Unter ethischen Gesichtspunkten gibt es zwei vertretbare Meinungen. Die Kritiker befürchten, dass durch die Einführung eines solchen Dopings für das Hirn gesellschaftliche Zwänge weiter zunehmen. Denn diejenigen die sich künftig weigern solche Präparate zu nehmen, können nicht die gleichen Hirn-Leistungen erbringen wie diejenigen die sie nutzen. Hirnleistungen hängen dann von Ihrem Kontostand und sind nicht von ihren Erbanlagen. Eine Neuro-Zweiklassengesellschaft!

Allerdings gibt es durch unser Bildungssystem diese Zweiklassengesellschaft ja längst. Neuropusher könnten also auch gezielt eingesetzt werden um  hier gegenzusteuern. Und wer sagt außerdem, dass wir die Unterschiede zwischen den angeborenen biologischen Charakteristika der Menschen wirklich so wollen? Menschen erhalten eben nicht von Natur aus die gleichen Startbedingungen. Ist es nicht an der Zeit diese biologische Ungerechtigkeit mit Hilfe von neuen Technologien auszumerzen – ein staatlich gefördertes Enhancement für unterprivilegierte Kinder könnte hier eines Tages Abhilfe schaffen.

 

Was empfehlen Sie Unternehmen, die diesen Trend für eigene Zukunftsprodukte nutzen wollen?

Ich würde das Innovationsteam eines solchen Unternehmens auf eine 7-Tages-Tour auf den Kilimandscharo mitnehmen. Sie müssten mit mir den höchsten ohne technisches Equipment erreichbaren Punkt der Erde erklimmen und dabei  den „Kilimandscharo-Innovation-Climb“ absolvieren. Diese Kreativ-Methode haben wir entwickelt als eine Art Rollenspiel in dem die Teilnehmer in die Rollen anderer Marktteilnehmer schlüpfen und somit Schritt für Schritt verschiedene denkbare Zukunftsstrategien und -produkte testen. Dabei bekommen die Führungskräfte neue Blickwinkel auf ihr Business, erarbeiten neue Ideen für Produkte und entwickeln neue Strategien für den Markt. Wir machen solche strategischen Führungskräftetrainings tatsächlich auf dem Kilimandscharo.

Im Übrigen wird das hirnleistungssteigernde Dopamin bei großen körperlichen Anstrengungen ganz von allein im Hirn ausgeschüttet. Auf dem Kilimandscharo ist also ein natürliches Hirndoping automatisch dabei.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Pressekontakt für Fotos und Interviewanfragen

Björn Menzel,  Tel.: 0341-5643454, Mobil: 0160-7109178,

Email: bjoern.menzel@forward2business.com,  Hintergrund: www.forward2business.com

 

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