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Ich möchte Sie auf eine neue Technologieentwicklung hinweisen, aus der Sie künftig Ihre Geschäftsmodelle der Zukunft machen können, wenn Sie mit Online-Fotostrecken, Online-Zeitungen, Online-Werbung, Online-Reisen oder generell mit berühmten Orten, prominenten Personen oder den Marketingmodellen der Zukunft zu tun haben.

PHOTOSYNTH ist in den Microsoft-Laboren in der Testphase. Die Idee: Durch automatische Bilderkennung entstehen aus hunderten oder tausenden (User)Fotos eindrucksvolle 3D-Bilderwelten, imposanter als jede Fotostrecke in der Zeitschrift, jeder Katalog oder Bildband von Verlagen und faszinierender als jede Werbeanzeige.

Wie es aussieht?

Photosynth ist eine Entwicklung aus den Microsoft-Laboren. An ihr wird nach wie vor entwickelt. Wer sich dafür interessiert, findet sie aber schon versteckt im Internet. (http://labs.live.com/photosynth) Stellen Sie sich vor, Sie hätten tausende Fotos vom Markusplatz in Venedig aus allen Perspektiven, von links nach rechts, rechts nach links unten nach oben, oben nach unten usw. Diese Fotos sollten Sie so überlappend an eine große Wand pinnen, dass das echte Bild des Markusplatzes entsteht.

Exakt dies macht Photosynth. Schauen Sie sich bitte das Foto oben an. Der bunte Ausschnitt ist das derzeit dargestellte Foto. Die weißen Umrisse auf schwarzem Grund drumherum ist das Gebilde, das Photosynth aus tausenden anderer Bilder errechnet. Es entsteht ein 360° Panorama des Markusplatzes, das exakter nicht sein kann. Dabei erlaubt die Technologie beeindruckend tiefe Zoomfunktionen und Perspektivwechsel, wie man es sich wünscht. Es spielt keine Rolle wie unterschiedlich die Ursprungsfotos sind, welches Wetter, welche Lichtverhältnisse, welche Tageszeit war und welche Kameratypen verwendet wurden.

Die Besonderheit. Photosynth ist zusammengesetzt aus tausenden Einzelfotos von Usern. Auf jedem Foto sind unterschiedliche Personen, jedes Foto erzählt seine eigene Geschichte.  Wenn Sie Zeit haben, schauen Sie bitte selbst unter: labs.live.com/photosynth. Dies ist imposanter als jede Beschreibung. Versäumen Sie keinesfalls den Rundflug aus Flugzeugperspektive.

Der Business Case

Ein eigener Business Case existiert für diese Technologieentwicklung bislang nicht. Photosynth wurde für das neue Microsoft-Betriebssystem Vista entwickelt. Selbstverständlich hat Interesse an einer Verbreitung von Vista. Bis Jahresende werden 4 Millionen verkaufte Betriebssysteme allein in Deutschland prognostiziert. Mit einigem Installationsaufwand ist Photosynth auch mit Windows NT und mit Firefox nutzbar. Wie das funktioniert steht auf der Website.

Anwendungen werden für Photosynth kurzfristig überall dort entstehen, wo faszinierende Bilder den Eindruck des Betrachters fesseln sollen. Anwender dürften zunächst Zeitschriften, Buchverlage, Reiseanbieter und alle Formen von Werbung sein. Denkbar ist auch die Entwicklung von elektronisch ansteuerbaren Bilderrahmen, die nicht nur ein einziges Panoramafoto enthalten, sondern eine vom Betrachter veränderbare Bilderwelt a la Photosynth. Zum Geschäftsmodell der Zukunft wird Photosynth aber, weil es auf eine technologische Entwicklung hinweist, die künftig unser Leben künftig bestimmen wird. Stichwort: Biometrie.

Wo es hingeht?

Um den Nutzen von Photosynth zu verstehen, muss man grob verstehen, wie es funktioniert. Wenn Sie ein Foto des Markusplatzes in Venedig zu Photosynth uploaden, dann zerlegt eine Software das Foto in markante Bildpunkte, vergleicht diese mit den Bildpunkten aus seiner Datenbank, erkennt dass es sich um den Markusplatz handelt und fügt das Foto an die entsprechende Stelle in die Bilderwelt ein.

Diese Technologie der Biometrie kennen wir bisher hauptsächlich aus den Radionachrichten, wo regelmäßig der politische Streit über die Nutzung von biometrischen Daten tobt. Tatsächlich sind mit diesen Erkennungssystemen a la Photosynth natürlich nicht nur Gebäude sondern auch Personen identifizierbar.

Doch bei aller Kritik am “Überwachungsstaat“. Stellen wir uns vor: „Olympische Winterspiele: Die Biathleten machen sich auf zur Waffenkammer, um an ihre Sportgeräte zu gelangen. Ein Blick in die Kamera, ein kurzer Vergleich des Irismusters mit den gespeicherten Referenzdaten und die Tür öffnet sich für die Sportler.“ Zukunftmusik? Nein! Diese Szene spielte sich schon 1998 bei den Olympischen Winterspielen ab, wie damals heise-online berichtete. Deshalb die Frage: Haben wir schon vernünftig über die positiven Geschäftsmodelle der Biometrie nachgedacht? In einer Strategierunde eines großen deutschen Medienhauses fragten die versammelten Chefredakteure als erstes danach, ob es mit Photosynth auch möglich sein, statt Fotowelten von Plätzen und Gebäuden auch Fotowelten von Prominenten zusammenzustellen. Natürlich wird das möglich sein!

Wer dahinter steht?

Photosynth wurde in den Microsoft Live Labs entwickelt, einem ThinkTank von Programmierern und Strategen und Inkubator für Web2.0 Entwicklungen. Doch noch weitere Akteure sind wichtig für Geschäftsmodelle der Zukunft im Bereich Biometrie. So hat zum Beispiel das Fraunhofer Institut IGD in Darmstadt zur diesjährigen Cebit ein 3D-Gesichtserkennungs-system vorgestellt. Die Synthese von Photosynth und Fraunhofer käme den Wünschen der zitierten Chefredakteure schon sehr nahe.

Was wir von Photosynth für die Geschäftsmodelle der Zukunft lernen müssen?

Der Wert von Photosynth für Geschäftsmodelle der Zukunft geht über das eigentliche Vista-PlugIn hinaus. Lassen Sie uns die Zukunft in vier Schritten vorausdenken:

Erster Schritt: Zunächst ist Photosynth ein Hingucker! Die 4-5 Bilderwelten, die derzeit als Anschauungsmaterial verfügbar sind, dürften für Medienmacher, Fotografen, Verlage und Werber beeindruckend genug sein, diese Web2.0 Anwendung als attraktives Web2.0-user-integrated-content-Tool in ihre Angebote einzubeziehen. Es ist nicht viel Spekulation nötig um zu prognostizieren, dass künftigen Bilderwelten im Internet so aussehen werden.

Zweiter Schritt: Darüber hinaus müssen wir diese Technologie in unsere Zukunftsmodelle einbauen. So sind Stadtpläne und Routenplaner im Internet ohne Photosynth oder deren Nachfolger kaum denkbar. Aber auch die Virtuellen Welten, die derzeit als Second Live-Nachfolger entwickelt werden und sich realitätsnaher geben wollen als SL, werden Photosynth als attraktives Tool einbeziehen. Und nicht zuletzt wird Photosynth überall dort zum Einsatz kommen können, wo bislang Wandbilder mit nur einem Motiv hingen, in Foyers, Konferenzräumen, Wohnzimmern aus. Vielleicht hält mit Photosynth sogar die Computertechnik Einzug in Bilderrahmen von Kunstgalerien. Und wer sagt, dass die verwendeten Bilder starr bleiben müssen. Sie könnten künftig genauso gut die Einstiegspunkte in Filme und Videos sein. Womit ein gemeinsames Geschäftsmodell mit dem Fernsehen der Zukunft denkbar wird.

Dritter Schritt: Wir müssen lernen, dass die Technologieentwicklung einen weiteren Schritt getan hat. Künftig kann alles was anhand von Bildpunkten verglichen werden kann, tatsächlich durch technologische Anwendungen verglichen werden. Die bekannten Augen-Gesichts-Scanner aus Science Fiction Filmen sind nicht mehr utopisch. Siehe Olympia 1998 in Nagano. Dies bedeutet noch nicht, dass die politische Debatte dahin führt, dass wir die Dinge auch einsetzen wollen. Doch kennen Sie viele Beispiele für technologische Entwicklungen, die nach ihrer Entstehung nicht eingeführt wurden? Im dritten Schritt können wir uns auf Biometrieanwendungen im Sicherheitsbereich einstellen, ob am Flughafen und im Stadion oder in komplexen Logistiksystemen.

Vierter Schritt: Auf ein neues Level kommen Biometriesysteme für die Entertainmentbranche, wenn Sie die personengenaue Erkennung von Zielpersonen in der realen Welt möglich machen. Dann werden dadurch Kundenkarten und umständliche Bonussystem ersetzt. Sie erinnern sich vielleicht an Science Fiction Filme, in denen die Hauptfiguren in ein Kaufhaus kommen und plötzlich neben Ihnen im Hologramm ein virtueller Verkäufer auftaucht, der den Käufer persönlich anspricht und auf neue Produkte speziell seine (vorher analysierten) Wünsche und Vorstellungen hinweist. Wie diese Bedarfs-Analyse geht, zeigen die sich entwickelnden „Behavioral Targeting“-Anwendungen im Internet und in virtuellen Welten. Um diese auch in der realen Welt zu nutzen, müssen die Personen erkannt werden. Grundlage für solche Werbe- und Marketingformen ist die Biometrie, denn durch Sie wird erkannt, wer denn da gerade zur Tür hereinkommt.

Natürlich sollte sich niemand vorstellen, dass es irgendwann eine große Datenbank aller Bundesbürger mit deren biometrischen Daten gibt, bestenfalls noch von Polizei und Einwohnermeldeamt zur Verfügung gestellt. Dies ist abwegig.

Aber mit der immer stärkeren Möglichkeit Profile von Personen zu analysieren und für personengenaue Werbung zu nutzen, dürfte bei vielen Menschen in den kommenden 10 Jahren die Erkenntnis einsetzen, dass sie mit ihren eigenen Profilen souverän umgehen können. Sie könnten dann ihr eigenes Interessenprofil und ihre biometrischen Daten durch eigene Softwaretools (persönliche elektronische Assistenten) selbst zusammenstellen lassen. Dann werden sie selbst entscheiden, welchem Unternehmen oder welchem Kaufhaus sie dieses Profil beim Eintritt durch die Tür freiwillig zur Verfügung stellen. Die Nutznießer werden jene Unternehmen sein, bei denen die Kunden einen echten Mehrwert aus der Freigabe Ihre biometrischen Daten haben und die ihren Kunden beweisen, dass man ihnen vertrauen kann. Vermutlich sind das nicht jene mit den überdimensionalen Werbeschreiern an der Kaufhaustür. Die Technologie ist auch für smartere Lösungen gut.

 

Sven Gábor Jánszky, sven.g.janszky@forward2business.com

 

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