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Vor wenigen Wochen habe ich Sie aufgefordert zu analysieren, was das am schnellsten wachsende Unternehmen Deutschlands besser macht als Sie! Es lässt Kunden aktiv die eigenen Produkte verändern, verkaufen und mitverdienen: Social Commerce heißen diese neuen Web2.0 basierten Vertriebsmodelle. Die Kunden sind in den gesamten Geschäftsprozess eingebunden: Kunden designen, Kunden verkaufen und Kunden verdienen mit.

Heute stellt Ihnen der forward2business-Storyletter ein Geschäftsmodell vor, von dem Sie nicht nur die Social-Commerce-Strategie lernen können, sondern gleichzeitig ein neues Community-Marketing-Tool erhalten: SONOPIA. 

Wie es aussieht? 

Sonopia ist ein US-amerikanischer Telefonanbieter. Seine Eigenheit im Vergleich zu AT&T & Co: Sonopia bietet Privatleuten die Möglichkeit, selbst zum Mobilfunkanbieter zu werden. Dazu geht man auf die Website www.sonopia.com, überlegt sich einen Namen für den eigenen Mobilfunktarif, legt mit wenigen Mausklicks die Konditionen und Tarife fest und schon ist man Mobilfunkanbieter.  

Dies, so rechnet Sonopia, werden in den kommenden zwei Jahren 10.000 Personen tun. Diese werden für ihre eigenen Mobilfunktarife in ihren eigenen Netzwerken kräftig werben und verkaufen. Abrechnung, Verwaltung und Kundenbetreuung übernimmt Sonopia. An jedem Telefonat verdient sowohl Sonopia als auch die Privatperson. Social Commerce at ist best! 

Der Business Case 

Der Business Case ist denkbar einfach. Sonopia kauft bei großen Telefonkonzernen günstig Telefonminuten in großen Dimensionen ein. Wenn nun ein Jedermann einen eigenen Handytarif einrichtet und andere zum Telefonieren animiert passiert folgendes: 

Der Jedermann-Anbieter kann festlegen, wie hoch der Tarif sein soll. Unser jedermann kassiert davon 5%. Der Rest geht, und damit ein schöner Gewinn, geht an Sonopia. Je nach Ausrichtung lassen sich auch weitere Aufschläge, etwa gemeinnützige Spenden pro Anruf, festlegen. Damit wird das Modell für das Fundraising von Organisationen oder Alumniaktivisten interessant. 

Für Sonopia sind Marketing- und Vertriebskosten verschwindend gering. Nach Anfangsinvestitionen wird das Marketing- und Vertriebssystem ab einer gewissen Größe selbst tragend. Jedermann hingegen hat ein besonderes Produkt, mit der er bei seiner Community marketingtechnisch punkten kann. Dazu kommen seine eigenen Einnahmen. Sowohl Sonopia als auch Jedermann sollten glücklich damit sein. 

Wo es hingeht? 

In den USA ist nicht nur Sonopia mit diesem Geschäftsmodell aktiv, sondern weitere Anbieter. Handfeste Erfolgsbilanzen gibt es noch nicht. Allerdings auch keine Indizien, was einem großen Erfolg des neuen Geschäftsmodells im Wege stehen sollte.

Spiegel online berichtete vor kurzem über eine andere interessante des Handy-SocialCommerce: Amnesty Mobile. Amnesty International hat hier einen eigenen Mobilfunktarif eingerichtet. Die Menschenrechtsorganisation erhält „zunächst zehn Prozent aller Gesprächumsätze als Spende an die Organisation, außerdem erhalten Amnestys Handy-Kunden zusammen mit ihrer Rechnung Informationen zu den aktuellen Aktivitäten der Menschenrechtsgruppe. Zuletzt bekommen Amnesty-Mobile-Kunde auch noch Freiminuten, wenn sie sich mit Lobbyarbeit am Telefon engagieren - aus dem Geschäft mit günstigen Handy-Tarifen entstehen so mobil vernetzte Aktivisten.“ (Spiegel online) 

In Deutschland gibt es für Early Adopter noch Vorbereitungszeit. Ein Anbieter der solch ein Modell für Privatpersonen anbietet ist nicht bekannt. Lediglich „vistream“ versteht sich  hierzulande als Mobile Virtual Network Operator. Ein Web2.0-Social-Commerce-System für Privatpersonen und Jedermann fehlt hier aber. Stattdessen werden eigene Handytarife für kommerzielle Kunden umgesetzt. 

Wer dahinter steht? 

Sonopia ist ein Start up mit Sitz in Kalifornien und Büros in New York und Kiew/Ukraine. Sonopia ist nach wie vor in der Hand seiner Gründer und wird durch verschiedene Venture Capital Geber unterstützt, darunter: Comventures, Sevin Rosen Funds, Danir und Glenbrook. 

Doch die wesentliche Erkenntnis lautet: Wie hinter jedem Social Commerce Modell steht auch hinter Sonopia immer der Kunde. Seine Zufriedenheit entscheidet darüber, ob er seinen Handytarif einrichtet, weiterempfiehlt, in seinem Namen vertreibt und selbst daran verdienen will. Dies macht Marketing- und Vertriebsmanagern der „alten Schule“ Angst. Viele fürchten, die Deutungshoheit über ihre Produkte aus der Hand zu geben.  

Die erfolgreichen First Mover tun genau dies mit voller Absicht. Sie haben verstanden, dass Hersteller die Deutungshoheit über ihre Produkte im Internet sowieso nicht mehr haben. Eine Abwehrschlacht macht keinen Sinn. 

Was wir von Sonopia  für unsere Vertriebsmodelle der Zukunft lernen müssen? 

Dass ein zufriedener Kunde der beste Verkäufer ist, ist keine Neuigkeit. Neu ist dagegen, dass Mund-zu-Mund-Propaganda und Empfehlungsverkäufe durch einfache Web 2.0 Applikationen inzwischen für an Anbieter einfach skalierbar und den Kunden einfach nutzbar sind. Zusätzlich zur bisherigen Produktberatung können Kunden erstmals Produkte individuell gestalten, mashen (mit anderen Produkten kombinieren) und im eigenen Namen weitervertreiben.  

Nur wenn Sie Ihren Kunden den Nutzwert anbieten, eine eigene Marke zu kreieren, zu verkaufen und daran selbst zu verdienen, sind Kunden motiviert selbst aktiv zu werden. Bieten Sie deshalb Ihre Produkte kleinteilig an, suchen Sie nach Möglichkeiten, Ihre Produkte durch Kunden individuell mit anderen Produkten mashen zu lassen, suchen Sie nach Kooperationen mit den Herstellern dieser Ergänzungsprodukte. Spread your products! 

Wenn Ihre Kunden im Produktdesign aktiv geworden sind, bieten Sie ihnen gleichzeitig die Möglichkeit, die designten Produkte an andere Kunden zu verkaufen. Bieten Sie hohe direkte Gewinnbeteiligungen. Im besten Fall erhalten Sie eine kostenneutrale Vertriebskampagne, die sich selbst trägt und regelmäßigen Gewinn erwirtschaftet. 

Sonopia zeigt uns vier konkrete Richtungen, in denen sich nach diesem Vorbild Geschäftsmodelle der Zukunft entstehen können. 

Wie es weitergehen muss? 

Zum Einen ist es ein möglicher Rettungsanker für die von massivem Kundenschwund bedrohten Geschäftsmodelle der großen Telekoms dieser Welt. Zwar ist unsicher, ob Social Commerce Modelle in den beharrenden Strukturen großer Konzerne schnell umsetzbar sind. Wenn es aber gelingen sollte, dann ist von hier ein Gegentrend zum permanenten Kundenschwund zu erwarten. 

Zum Zweiten zeigt Sonopia einen Weg zu einem neuen Marketing-Tool und einer zusätzlichen Einnahmequelle für bestehende Marken- und Medien-Communities. Natürlich können nicht nur Privatpersonen ihren Freunden einen eigenen Handytarif bieten, sondern auch Marken ihren Fans: Warum sollte nicht ein Radiosender seinen Stammhörern den eigenen Tarif bieten und damit auch noch Geld verdienen? Oder eine Musikband ihren Fans? Als Fanbonus kann man möglicherweise dafür Gespräche innerhalb der Community extrem kostengünstig machen? Wieso sollte eine jugendlich fokussierte Cola-Marke nicht ein Community-Handy anbieten? Oder eine Zigaretten-Marke? Oder eine Modekette? Fußballclubs? 

Zum Dritten ist Sonopia ein Vorbild für Anbieter deren Produkt auch zum Spreaden und zum Weitervertrieb durch Kunden geeignet ist. Denkbar sind nach dem Sonopia-Modell unter anderem Stromanbieter-Marken, Musik/Video on demand-Vertriebe, Kosmetiklinien oder Reiseanbieter. Das Wesentliche für Ihr eigenes Social Commerce Geschäftsmodell sind drei Dinge: 

* Bieten Sie Ihr Produkt den Kunden so kleinteilig wie möglich an.

* Bieten Sie Ihr Produkt den Kunden als White Label an, so dass von jedem Kunden eine eigene Marke personalisiert werden kann

* Bieten Sie zu Ihrem Produkt auch ein unkompliziertes Shopsystem im Internet an, mit der der Kunde sowohl in Einrichtung als auch Marketing, Vertrieb und Verwaltung seiner eigenen Marke so einfach wie möglich handhaben kann. 

Zum Vierten ist Sonopia ein neues Modell für das Fundraising und Spendensammeln. Nicht nur Menschenrechts- und Dritte Welt Stiftungen nach dem Amnesty International Modell sind denkbar, sondern auch Universitäten, die ihren Studenten einen günstigen Tarif bieten, der auch noch „Drittmittel“ für die Universität einspielt.

Veröffentlicht: 26. April 2007

 

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